Information für Familie und Freunde über unsere Gedanken und Eindrücke auf Reisen.
(Ich hatte Glück, in Amsterdam hatte ich ein schwaches Netz, nicht mit einem Passwort geschützt. So konnte ich noch schnell den ersten Bericht senden.)
Heute legte das Boot schon um 6 Uhr ab und fuhr bis 9.30 Uhr. Wir hatten am Abend vorher die Wahl a) Radfahren oder b) mit dem Bus nach Delft und Rotterdam. Wir hatten uns für b entschieden und lagen damit richtig, es nieselte noch stundenlang.
Delft hat eine wunderschöne Altstadt mit herrlichen alten gepflegten Bachsteinbauten und natürlich viele, viele Brücken, zwei gewaltige Kirchen und einen Fischstand in der Nähe des Marktes. Dort holten wir uns „Kippeling“, ein in Fett gebackenen Weißfisch. Köstlich! Vorher noch die beiden großen Kirchen angesehen. Die Alte Kirche hat einen schiefen Turm, sei 2m abgesackt. Damit hat nicht nur Pisa seinen schiefen Turm, sondern auch Delft. Dann natürlich eine Führung durch die D elfter Porzellan Fabrik. Wieder etwas gelernt, ob wir es noch brauchen, ist fraglich!
Dann eine Kurzvisite in Rotterdam, dem z.Zt. noch größten Containerhafen der Welt (für Öl hat man diesen Titel an Shanghai verloren). Laufen etwas an der Neuen Maas entlang, besuchen den Alten Hafen und steigen in ein Cubushaus, die wurden Anfang der 80ger aufgestellt. Sie bieten 100 qm auf 3 Etagen ohne Türen mit wahnsinnig steilen Treppen. Nichts für uns!
Gegen 16.15 Uhr sind wir dann an den Wassermühlen von Kinderdijk, es regnet nicht mehr und es ist auch wesentlich wärmer geworden. Ehemals standen dort 350 Windmühlen und schaufelten das Wasser in den höher gelegenen Fluss. Heute sind es noch 19. Nett anzuschauen.
In der Nacht hat tüchtig geregnet, was ja an sich nicht so tragisch war. Doch beim Frühstück regnete es auch noch Blasen. Fahren oder nicht, war die Frage. Aber wir sind hart und so bestiegen wir um 8.30 Uhr den Bus, der uns nach Kinderdijk bringen sollte. Und tatsächlich hatte der Himmel ein Einsehen! Wir fuhren trocken durch den gesamten Tag. Unsere Tour über 48 Km führte an Krimpen vorbei über verschlungene Radwege durch das flache Wiesenland mit unzähligen Kanälchen und Gräben. Schwäne, Blesshühner, Haubentaucher, Fasane, Graugänse und Enten waren unsere Begleiter. Teilweise schon mit der Aufzucht der Nachkommenschaft beschäftigt. Dann Gouda. Jeder denkt da natürlich an Käse, wir auch. Aber zuerst haben wir mal eine Konditorei geplündert und unsere selbst geschmierten Stullen nicht ausgepackt. Gouda hat einen sehr großen Marktplatz mit einem alten, freistehenden Rathaus. Nicht minder bekannt ist das Gebäude mit der Käsewaage. Dazu eine berühmte Kirche, „De Sint Janskerk“. Sie ist 123 m lang! Innen hat mir nur die Unzahl der riesigen Goudaer Bleiglasfenster gefallen, die alle im 16. Jh. angefertigt wurden, Ansonsten wird die Wucht des großen Innenraumes durch ein verbautes Mittelschiff sehr abgeschwächt. Von Gouda dann weiter nach Schoonhoven, wo unser Schiff stand. Hat etwas gedauert bis wir es gefunden hatten, denn es ankerte an „falscher“ Stelle.
Aufgefallen sind uns wieder die vielen sehr schönen Häuschen. Man sieht eigentlich überhaupt keine alten verfallenen Häuser, das haben sie gut im Griff!
Ebenso gut im Griff hatte dann der Entertainer seine Musik, die uns ab 20.30 Uhr ins Schwitzen brachte! Er brachte wunderbare Musik zu Gehör, abgestimmt auf das Alter der Biker!!
In der Nacht wieder Regen und es soll nicht der Letzte sein. Wir starteten bei moderatem Gepiesel, doch nach 1 Km wurde es heftig und so zogen wir erst einmal alle Regenklamotten an, die wir hatten. Bei teilweise recht heftigem Regen erreichten wir nach über einer Stunde unser erstes Ziel. Eine Bauernkäserei, die zu den noch 180 verbliebenen Betrieben gehört, die den Gouda auf traditionelle Weise herstellen, per Hand und aus frischer, nicht pasteurisierter Milch. Das schon in 5. Generation! Es wurde natürlich gekauft, aber auch Kaffee, Tee oder frische Milch getrunken. Danach war es mit dem Regen auch vorbei. Weiter ging es über Oudewater und Woerden zum „Kasteel De Haar“, einem gewaltigen und wunderschön erhaltenem Bau, der heute im Besitz der Familie Rothschild ist. Wir sind etwas durch den engl. Garten geschlendert, haben einen Blick ins Innere geworfen und uns dann wieder profaneren Dingen, wie Essen und Trinken gewidmet. Um 16.30 Uhr waren wir, nach 61 geradelten Kilometern wieder auf dem Boot.
Wenn man so durch die Lande radelt fällt auf, nirgendwo gibt es verfallenen Häuser (wie z.B. in Brandenburg) und die Radwege sind geradezu phänomenal. Zu 95% sind die Häuser in Hartbrandziegeln gebaut und vielfach sind Gardinen unbekannt, dafür gibt es zu sehr vielen Anwesen eine Brücke! Alles in Allem, die Niederlande gefallen uns sehr gut.
Nun sitzen wir auf dem Sonnendeck, die Sonne lässt sich aber kaum sehen, die Räder sind abgegeben. Wir sind auf dem Weg von Breukelen nach Amsterdam. Gestartet heute früh in Utrecht. Zuerst die Innenstadt, sehr schön. Kirche besichtigt. Man fragt sich immer, warum so kleine Gemeinden (früher), so große Kirchen bauen mussten. Vielleicht war es Ausdruck der Wohlhabenheit, oder das Volk sollte sich beim Betreten der Kirche gleich klein vorkommen. Dann noch eine Stunde Grachtenrundfahrt. Die Häuser liegen bei einigen Grachten 6-7 m über dem Wasserspiegel! An den Grachten gibt es zu beiden Seiten reichlich urige Kneipen und Gaststätten. Dann fiel uns noch auf, es gibt Unmengen von Wohnhausbooten, die eins nach dem anderen an einem Ufer festgemacht sind. Auf der Rausfahrt aus Utrecht lagen dann auf unserer Seite auch Hausboote. Uda dachte zuerst es wären Wäschemodengeschäfte! Aber dann bewegten sich die „Schaufensterpuppen“! In gut 20 Booten boten die Damen ihre Dienste an und für Kunden standen sie spärlich bekleidet vor großen Fenstern. Kundschaft gab es zur Mittagszeit auch schon reichlich! Das letzte Stück unserer 40 Km langen Tour gestaltete sich noch recht schweißtreibend, denn wir hatten einen scharfen Wind von vorn. Punkt 3 Uhr legte das Schiff dann ab.
Das Boot auf der Donautour hat uns besser gefallen, auch wenn dort die Kabinen noch etwas kleiner waren. Aber viele kleine Dinge waren durchdachter und auch das Kartenmaterial zu jeder Tour war besser. Aber auch so glauben wir, jetzt etwas besser über Land und Leute mitreden zu können.
Morgen verlassen wir zufrieden Amsterdam und damit die Niederlande.
Doris&Bernd