Information für Familie und Freunde über unsere Gedanken und Eindrücke auf Reisen.
10 Die Nacht war ruhig, bis auf lästiges Hundegekläffe. Man hat den Eindruck, auf jedes 2. französische Mobil kommen 1-2 Hunde! Verrückt. Um 1.30 Uhr plötzlich wach geworden, das Kühlschrankdisplay blinkte ununterbrochen. Gas alle! Aber 4 Stunden hat man dann schon Zeit und so habe ich die neue Flasche erst kurz nach 6 Uhr angeschlossen. Damit war dann die Nacht beendet und um 7.45 Uhr sind wir gestartet. Schon am Morgen 21°C. Um Toulouse starker Verkehr, Stopp und Go, aber das ist nicht anders, als bei uns. Bis auf die „blinkfaulen“ Fahrer! Das ist ganz schlimm.
Ich muss noch etwas über die Mautstellen schreiben. Also, diese Dinger hasse ich! Alles automatisiert. Man fährt also die Dinger mit Grün an, dann gibt es da eine Säule mit 2 gleichartigen Einschüben, oben für die Lkw-, unten für die PKW-Fahrer. Im Mobil, wenigstens in unserem, sitzt man immer dazwischen. Nun gut, vor der Einfahrt das Fenster runter, Sicherheitsgurt ab und Spiegel einklappen, geht nicht elektrisch. Dann ganz dicht ranfahren. Nun hat man mehrere Möglichkeiten seine Karte zu stecken, oben oder unten. Oben muss man sich stellen, also Gang raus, Handbremse an, wenn man Glück hat, sieht man auf dem Display den Geldbetrag, bei Sonne siehst du meist nichts! Also steckst du einen 20ziger rein. Schon das ist ein Gefummel, immer mit der Angst verbunden, ihn zu verlieren. Dann hat die Maschine ihn endlich intus und dann wirft sie 17,60€ in Münzen als Rückgeld aus, gleichzeitig geht die Schranke schon auf. Da kommt Freude auf, denn jetzt musst du dir dein Wechselgeld von ganz unten holen und brichst dir fast die Rippen, denn die Vorderscheibe geht nicht ganz runter! Dann endlich fährst du an, bist ganz glücklich, aber dann schreit von hinten eine höhnische Stimme „Bravo“! Ich wollte dem ganz lässig meinen Mittelfinger zeigen, doch sofort schrillt die interne Warnanlage, weil du noch nicht angeschnallt bist und nebenbei musst du schalten und auf den Verkehr achten. Der Bravo-Rufer war ein Schweizer! Und ganz beglückt ist man bei solchen komplizierten Sachen, wenn die Beifahrerin von ihrem Sitz alles schon gesehen hat und genau weiß, wo man was reinzustecken hat! Auch da kommt Freude auf! (Doris meinte dann ganz süffisant, ich wäre doch sonst nicht so begriffsstutzig beim Reinstecken) Ich liebe sie!
Um 10.30h waren wir dann bei warmem, aber wolkigem Wetter am Mittelmeer bei Narbonne-Plage am Strand. (Nördlich von Perpignan) Der ist Teil des 50km langen Strandes von Pays de la Narbonnaise, eines Bezirks des Katharer-Landes. Eigentlich sehr breit und nicht wesentlich durch die Gezeiten gestört, doch heute, bedingt durch einen 3-tägigen Sturm, zum großen Teil unter Wasser gesetzt! Alle Papierkörbe des Strandes standen im Wasser. Die Brandung noch stark und der Wind heftig, aber warm. Eine Stunde Spaziergang. Die Schaumkronen der Wellen graubraun(bedingt durch Ton- u. Kalkstein) und viel Schaum am Ufer!
Am Nachmittag Erkundung von Gruissan und Narbonne-Plage mit dem Rad, etwa 30km. Gruissan hat uns nicht gefallen, eine Retortenstadt nur für Urlauber, alle Mietgelegenheiten im gleichen Stil und dicht bei dicht. Im Hafen stehen zu tausenden die Segelyachten, die sind ganz nett anzuschauen. Wir würden hier keinen Urlaub machen, doch es muss ja genügend Leute geben, die anders denken und das muss man auch respektieren! Narbonne-Plage ist da etwas schöner, sie haben eine 3km lange, sehr breite Promenade und die Ferienhäuser, die sich anschließen, sind alle unterschiedlich gebaut. Also kommt Abwechslung ins Bild. Der Strand war heute aber auch verwüstet. Bei beiden Städten kommt noch das Ende der Saison hinzu, viele Geschäfte sind schon zu und die Gasstätten leer. In Gruissan haben wir dann auch noch den falschen Eisladen erwischt!
Ich muss Doris mal loben ob ihrer Kochkünste, jeden Tag steht ein sehr schmackhaftes Essen auf dem Tisch. Heute gab es zum 2. Mal Rouladen, hatte sie schon alles zu Hause gekocht und dann eingefroren! Der Kühlschrank hat ein sehr großes Tiefkühlfach. Also Not leiden wir nicht! Was auch sehr schön ist, jeden Abend, egal wo wir stehen, wird warm geduscht. Geht bis zu 3 Tagen ohne Nachladen.
Bis auf das Grollen der Brandung war es eine sehr ruhige Nacht.
Heute, am 20.9., ging es auf der Autobahn Richtung Millau. Der 20.9. ist ein historischer Tag. Denkt mal genau 50 Jahre zurück. Richtig, da habe ich in Törpin (Meck-Pomm) im Ernteeinsatz (Kartoffeln!) am 20.9.1964 morgens um 7 Uhr ein blondes Mädchen kennen gelernt! Mein letzter Chef, der sehr von sich überzeugt war, hätte gesagt, und die hat dann nicht mehr los gelassen!
Millau liegt an der Tarn und das Tarntal wird von einem gewaltigen Viadukt überquert. 2,5km lang, Fahrbahn 245m hoch, von 7 Stahl Pylonen, die noch einmal fast 100m über die Fahrbahn ragen und dann 342m erreichen, getragen. Dazu gibt es einen Parkplatz mit Aussichtspunkten und einem technischen Museum zum Bau. Haben wir uns alles angesehen. Beeindruckend!
Kurz nach Millau in die Tarnschlucht, die mindestens ebenso beeindruckend ist. Erstaunlich, was Wasser so anrichten kann, man muss nur geduldig sein! Die Straße ist eng aber mit gutem Belag und so trödelt man durch die Schlucht immer wieder mit Unterbrechungen für Fotos, die sich nachher doch niemand ansieht. Doris hat noch gute Erinnerungen an die Schlucht, sie war schon einmal vor 25 Jahren hier. Bis zum Dörfchen Malene sind wir gekommen. Dort auf einen Parkplatz eingerichtet und in ein Boot umgestiegen. 8km Fahrt zwischen den hochaufragenden Felsen, bis zu 450m! Anschließend Dorfbesichtigung, interessant, aber wohnen möchte man hier nur bedingt, selbst die reichlich angebotenen Ferienwohnungen, die an dem Fels enden sind nur für sehr gesunde Wanderer zu empfehlen! Mal sehen, was der Abend bringt.
Allen ganz herzliche Grüße! D&B