Information für Familie und Freunde über unsere Gedanken und Eindrücke auf Reisen.
In Hilzingen sind wir, das liegt bei Singen und hier lebten unsere Freunde Helga und Erich. Helga Rummel hatte uns schon 2011 verlassen und nun statten wir Erich den letzten Besuch ab.
Beide lernte ich im zarten Alter von 13 kennen, da war Helga schon 32 und Erich 41 Jahre alt, der Altersunterschied also recht beachtlich. Doch ich kann sagen, seit 1957 haben wir uns nicht aus den Augen verloren, obwohl unsere Wege sehr unterschiedlich waren. Doris machte sich mit Helga 1965 und mit Erich 1969 bekannt. Von da an waren wir vier sehr gute Freunde. In den folgenden 20 Jahren hielten Helga und Erich die Freundschaft mit einem jährlichen Besuch in der DDR hoch. Seit der Wende war es dann nicht mehr nur eingleisig! Beide brachten uns das Reisen bei! Und wir sind gern mit ihnen gereist, es wurde nie langweilig. Unser Freund Erich war ein guter Gesellschafter, aß gern, möglichst mit viel Fett und Zucker, trank gern und diskutierte immer noch über die große Weltpolitik, wenn allen anderen schon die Augen zufielen. Beide haben Doris und mich in Spremberg, Kagar und Zehdenick über viele Jahre mit nützlichen Dingen unterstützt. Sie hätten es nicht gemusst, aber sie waren Freunde. Wenn wir unseren Verstand bis zum Ende behalten, Helga und Erich, mit denen wir so viel erlebt haben, werden wir nicht vergessen.
Der Lauf der Dinge ist ein Kommen und Gehen und wer von sich sagen kann, dass er zwischenzeitlich das Leben gelebt hat, in all seinen Facetten, der kann sich glücklich schätzen. Und so ein Mensch war Erich, selten wirklich Pech gehabt, die Gesundheit für sich gepachtet, mit einer für ihn gebackenen Frau ausgestattet und mit ausreichend Finanzen versorgt. Auf Männer machte er Eindruck, auf Frauen noch mehr. Was wollte er noch? Ein langes Leben. Das hat er dann auch noch geschafft, in 2013 wären es 97 Jahre geworden! Wir werden ihm heute „Auf Wiedersehen“ sagen und einen guten Schluck auf ihn trinken, er hätte sich das gewünscht. Wir sind nicht traurig, wir sind froh, ihm und seiner Frau begegnet zu sein und denken gern an gemeinsame Erlebnisse.
Was bleibt, was erinnert weiterhin an die Person ERICH?
Da sind seine Söhne, Schwiegertöchter und Enkel. Schwiegertochter Vroni sagt, das Beste an Erich wäre gewesen, dass er den Dieter, seinen ersten Sohn, gezeugt hätte! Also hat er nicht umsonst gelebt. Aber wer lebt schon umsonst? Er hat Nachkommen und was für welche! Einmal sehr bodenständig, Dieter und Vroni, die sich intensiv in den letzten Jahren um die Pflege von Erich kümmerten, zusammen mit Sohn Felix. Dann sehr multinational, Sohn Bernd mit Bhebot (Philipinin) und ihren Kindern Karl und Hanna. Alle Enkel wohlerzogen und mit Bildung versehen, Erich hätte seine Freude gehabt. Doris und ich, 50-60 Jahre weiter, können nur staunen. (z.B. googelt mal unter Karl Rummel)!
Da ist dann auch noch sein Lebenswerk, Haus und Grundstück, das nun einsam und traurig wirkt, ohne seine früheren Bewohner. Ein letztes Mal sind wir heute um das Haus gezogen. Mit wehmütiger Stimmung obwohl die dünne Schneedecke auf Haus und Garten das Anwesen mit einem majestätische Flair überzog. Demnächst wird es in fremde Hände übergehen, auch das nicht weiter ungewöhnlich, doch für uns irgendwie schlecht vorstellbar.
Gestern verbrachten wir den Abend im Kreis der Familie. Diesen Abend hätte Erich, und um den geht es ja, als sehr gelungen bezeichnet. Es wurde geredet und diskutiert, am Ende wurde nicht auf allen Gebieten Einigkeit erzielt. Aber Erich kam an diesem Abend mit seiner Schwiegertochter Vroni nicht ins reine, woran aber eindeutig er schuld war. Wir sind auf jeden Fall in dem Bewusstsein in unser Hotel zurückgekehrt, dass Erich uns noch einige Zeit erhalten bleibt. Und das ist auch gut!
Ich war nie ein Freund von offiziellen Trauerfeiern, die von Helga fand ich nicht wirklich passend. Aber heute war der Pfarrer sehr gut gebrieft, er traf, gewürzt mit eigenen Erlebnissen, den Nagel. Auch wurden weniger Kirchenlieder gesungen, dafür wurde ein Mix aus klassischer und moderner Musik dem Verstorbenen gerecht. Leichter, wässriger Schneefall war dann beim Versenken der Urne angesagt. Es wurden noch zwei Lieder a Kapella gesungen und dann begann der Teil, wo keiner so richtig Bescheid wusste, wie ist die Reihenfolge beim Sandschaufeln? Familie zuerst, aber dann?
Helga und Erich haben einen schlichten Grabstein, hat uns gefallen.
Dann Kaffee und Kuchen. Anschließend haben wir zu dritt auf Erich angestoßen, ich mit seinem Lieblingsschnaps Cointreau! Dieter hatte dann eine Präsentation mit Fotos aus allen Lebensabschnitten und mit vielen Gefährten von Erich und Helga gezeigt.
Zum Ende haben wir uns von den Bekannten, die auch schon alle ein beachtliches Alter erreicht haben, unwiderruflich verabschiedet.
Hilzingen war eine Top Destination. Vielleicht sehen wir ja die Familienmitglieder irgendeinmal, es würde uns freuen.
Erich, alter Freund, wir werden dich nicht vergessen!
Doris & Bernd