Information für Familie und Freunde über unsere Gedanken und Eindrücke auf Reisen.
Papenburg
Heute, Freitag den 27.9., melden wir uns aus Papenburg. ( Mit einer Std. Stau um Hamburg waren es 6 Std. Fahrzeit.) Und sofort klingelt es bei Euch! Richtig, wir wollen uns die Meyer-Werft ansehen. Aber das ist erst am Sonntag, heute sind wir 1.40 Std. durch die Innenstadt gelaufen. In Gruppe geführt durch einen ehemaligen Kapitän, der Wissenswertes über die Stadt ausplauderte. So ganz nebenbei auch noch vieles andere!
35 000 EW hat Papenburg, neben der Werft auch noch reichlich andere Industrie. Man sieht es in der Innenstadt, es ist Geld im Stadtsäckel. Durch die Innenstadt fließt der „Hauptkanal“, der durch viele Brücken im Holländischen Stil unterteilt wird. In 7 dieser Kanalabschnitte stehen Nachbauten alter Schiffe. Freilichtmuseum. 1634 fing hier alles mit 4 Siedlerfamilien an. Sie bekamen kostenlos Land vom Landesherrn und fingen an, Schicht für Schicht der bis zu 7 m dicken Torfschicht abzutragen! Torf enthält 70-95 % Wasser. Und viel davon floss in die gegrabenen Löcher. Da man mit System buddelte, bildeten sich bald Kanäle, die man über die Ems nutzen konnte. Am Anfang war hier natürlich Armut pur, was sich aber mit der Zeit änderte, der getrocknete Torf war als Heizmaterial begehrt. Man verschiffte ihn mit Booten zu den Ziegeleien nach Ostfriesland und brachte auf dem Rückweg Schlick, Mist und Steine hierher. Mit den ersten beiden Sachen verbesserte man den frei gelegten Boden und dann baute man endlich Häuser, denn bisher wohnte man in „Torfhäusern“. Die verdammt feucht waren. Wie man da überhaupt überleben konnte, ist mir ein Rätsel. Aber die waren früher ohne Gesundheitswesen halt viel kerniger! Heute spielt der Torfabbau kaum noch eine Rolle. Der Hafen ist übrigens recht groß, wenn er auch mehr zum Löschen als zum Verladen dient. Massengüter, nicht Stückgut. Wir sahen schöne Beispiele der Globalisierung. Da liegen, in Rollen verpackt, Kunststoffabfälle aus Finnland, oder geschredderte Autoreifen, die auf ihren Transport nach Schweden warten. Das Beste: In großen Mengen wird Torf aus Russland und dem Baltikum gelöscht. Er liegt zu Pyramiden gehäuft und wird mit LKW in irgendeinen Ort hier im Norden gekarrt. Dort wird er veredelt, in Säcke verpackt und weiter mit dem Schiff in die Türkei geschickt. Die Türken brauchen das Zeug für den Gemüseanbau und für die Blumenzucht! So ist halt Handel und Wandel!
Wir haben ja so ein fertiges Touri-Programm gebucht, 2Nächte, 3Tage für ganze 116.-€/P. Dazu gehörte heute auch ein Essen, „Fischplatte“. Die gab es zur Mittagszeit. Wir haben daraufhin das Abendessen ausfallen lassen! Ich habe selten so viel Fisch auf dem Teller gehabt! Zwischen den einzelnen Punkten des Programms hat man auch noch etwas Zeit und so haben wir mit dem Auto eine 2-stündige Runde durch das Emsland gedreht. Ganz gemütlich. Wir waren sehr angetan von der Ordnung und Sauberkeit der Gegend. Flaches Land, ist klar. Überall Deiche mit vielen wolligen „Rasenmähern“. Und dann die schönen Häuser, alle aus Backstein gebaut. Vieles erinnert uns sehr an Holland. Ist ja auch nicht weit bis dahin! Am Nachmittag sind wir entlang der Deiche von Ems u. Leda bis nach Emden gefahren. Dort noch vom Rathausturm einen schönen Blick über die Stadt u. den Hafen gehabt. Unterwegs das gewaltige Emssperrwerk, das das Emsland vor Sturmfluten schütz u. das Passieren der Kreuzfahrer der Meyerwerft ermöglicht, besichtigt. Überrascht waren wir, dass sich das flächenmäßig größte Areal von Gewächshäusern Deutschlands hier im Norden befindet.
In Papenburg rechts und links des Hauptkanals Geschäfte, Kneipen, Kaffees und Restaurants. Alles sehr schön, uns machte der Bummel unter strahlend blauen Himmel viel Spaß. Am Abend dann schon recht kühl, in der Stadt ist dann auch absolut nichts los, „die Bürgersteige hochgeklappt“! Unser kleines, 3* Hotel, gepflegt und gemütlich und mit ganz irrem Frühstück, haben wir im Paket mit allen Ausflügen im Tourismusbüro gebucht.
Meyer-Werft: Gigantisch!! Wurde 1795 als 18. Werft in Papenburg gegründet. Der Gründer hieß eigentlich Jansen, doch davon gab es schon so viel, der kath. Pfarrer meinte, er solle sich doch Meyer nennen und natürlich den richtigen Glauben annehmen. Beides tat er und die Werft hat als einzige überlebt. Heute werden neben Kreuzfahrtschiffen für die Ozeane und Flüsse der ganzen Welt auch Forschungs- und Spezialschiffe gebaut. U,a. wurde hier auch die „Graf Goetzen“ gebaut, angefangen 1914, nach Fertigstellung wieder auseinander geschraubt und in 5000 Kisten verpackt. Von Hamburg nach Daressalam mit dem Schiff, weiter mit der Bahn und die restliche Strecke bis zum Tanganijkasee auf den Schultern einheimischer Träger! Dann hatte Deutschland den Krieg verloren und der Kaiser gab den Befehl, das Schiff zu versenken. Das geschah mehrmals, aber es wurde immer wieder gehoben und fährt heute als einziges Schiff auf dem Tanganijkasee!!
Die Werft ist um Superlative nicht verlegen, allein die Halle misst 504m x 125m x 75m! Und die kleinere misst 370m x 102m x 60m. Auch das größte Laserzentrum Europas haben sie und vieles andere! Wir haben das neueste Schiff der Werft gesehen, die „Getaway“. 336m lang, wird im November über die Ems zur offenen See geschleppt. Es gäbe noch viele Einzelheiten zu berichten, wie z.B. dass Wochenenden und Feiertage frei sind, 2500 Festangestellte, aber mit Zulieferfirmen sind es weit über 10 000 Menschen, die dort ihr Geld verdienen, dass 7% des Umsatzes in die Forschung gehen u.s.w. Aber etwas wollen wir ja auch noch erzählen!
Das Wetter war toll und da auch sonst alles stimmte fahren wir zufrieden wieder nach Zehdenick! Grüße von D&B